Atelier Mondial

Annina

Haab

Also lese ich, also schreibe ich, also frage ich mich, was das überhaupt ist, so eine Sprache, so ein Zeichensystem, so ein immaterielles Material, so ein eingebildetes Werkzeug. Was das überhaupt ist, so ein Text, so eine Vergegenständlichung eines Klangs, so ein Speicherformat in Form gebrachter Gedanken, so ein räumlich und zeitlich ausgedehntes oder auseinander gerissenes Gespräch, in dem ich nicht anwesend bin. In dem mein Körper aus seiner Re-Präsentationspflicht entlassen wird, weil der Text seiner nicht bedarf, nicht als Stimme, nicht als Präsenz eben. Der Text geht ohne mich, ich bleibe hier und vermisse ihn, die Zeit, die wir zusammen verbracht haben. Der Text kommt nicht zu mir zurück. Also versuche ich in ein neues Gespräch zu kommen und es dauert lange, bis etwas da ist, das den Fragen standhält und den Vorwürfen, also gehe ich auf wackligen Beinen, lange Zeit, bis entschieden ist, wie gesagt werden soll, was gemeint ist, oder was gemeint sein will. …würde mir gerne ins Wort fallen oder überhaupt.

Annina Haab, *1991 schreibt Prosa und Hörstücke. Ihr erster Roman Bei den grossen Vögeln erschien im Berlin Verlag und wurde mit dem Kranichsteiner Literaturförderpreis 2021 ausgezeichnet.
 

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Zur Autorin

Herkunft: Basel, Schweiz

Literaturstipendium: Paris, April - Juni 2022